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Hallo.

Ich bin Judith und lebe mit meinen vier Männern in Berlin. Hier gehts ums Eltern werden, Eltern sein und das Abenteuer Familie.

Apropos Stillen...

Apropos Stillen...

Apropos Stillen…

Ich habe tatsächlich jedes meiner drei Kinder gerne gestillt, mit voller Überzeugung und auch weil es einfach super praktisch ist. Ich meine, hallo…du hast die gesündeste Ernährung, die dein Baby haben kann, immer in der richtigen Trinktemperatur griffbereit parat?! Perfekt! Vor allem für Leute wie mich, die, ich nenne es mal etwas „bequem“ sind.

Wie schon erwähnt, ich habe es gerne getan. Aber erst nach dem vierten Monat! Davor war es alles, aber nicht einfach! Eher sehr schmerzhaft – an Brust und Rücken. Nun, mittlerweile weiß ich tatsächlich, dass ich es zweimal falsch gemacht habe, oder hätte besser machen können. Wobei das erste Mal sogar komplett in die Hose ging. Was ja irgendwie beim ersten Kind auch kein Wunder ist. Man bekommt ja kein Kind und dann klappt das sofort?! Nun ja, jedenfalls bei den meisten nicht und schon gar nicht bei mir.

Ich hatte das große Glück in einem stillfreundlichen Krankenhaus zu entbinden - ja, es gibt da Unterschiede. Während 20 km entfernt in der Uniklinik die Kinder teilweise direkt nach der Geburt das Fläschchen bekamen, damit Mutti mal ausschlafen kann, wurde mir, in wirklich liebevoller Weise, von den Hebammen das Kind noch im Kreissaal angelegt. Wir durften ganze zwei Stunden entspannt kuscheln und uns im Stillen üben. Das klappte noch ganz gut, dachte ich zumindest.

Aber mein Erstgeborener hielt mich schon in der ersten Nacht sehr auf Trab und schrie wie am Spieß. Sehr zum Leidwesen meiner Zimmergenossin, die bereits ihr zweites Kind entbunden hatte und mir mit Augenrollen und lautem Seufzen zu verstehen gab, daß ich doch bitte das Licht löschen sollte. Gerne doch, nur wie soll ich dann bitte mein Kind, geschweige denn meine Brüste finden? Und wie bitte mein Kind die Brüste? Zum Glück bin ich jetzt nicht jemand, der sich durch solche Allüren beeindrucken lässt. Trotzdem an dieser Stelle ein kleiner Appell an alle Mütter: Bitte seid doch ein wenig nett und vor allem verständnisvoll zueinander. Es hilft niemandem sich gegenseitig runterzuputzen, zu vergleichen oder lächerlich zu machen. Stattdessen sollten wir uns etwas mehr unterstützen! Punkt.

Ich entschied mich übrigens zu bleiben, da ich ein kleiner Krankenhausfan bin. Ist wohl Berufskrankheit als ehemalige Krankenschwester. Irgendwie hatte ich auch Schiss zuhause irgendetwas falsch zu machen und somit blieb ich bis zur U2. Bei Kind zwei und drei blieb ich übrigens auch solange, aber da eher um meine Ruhe zu haben, vor dem Rest der Bande. Hat hervorragend funktioniert.

Die Nachtschwester half mir wo sie nur konnte. Wir puckten, wir schuckelten, wir legten an und dann begann das Martyrium. Das Kind hatte einen Wahnsinnshunger und/oder ein Geburtstrauma, laut Aussage der Schwester. Mir taten bereits nach 2 Stunden Dauerstillen die Brustwarzen so dermaßen weh, dass ich am liebsten jedes Mal durch die Decke gegangen wäre. Ich versuchte natürlich alles weiter und irgendwann schlief er auch mal. Kurz. Und dann ging es von vorne los.

In den darauffolgenden Tagen nahm er mehr ab, als erlaubt und wurde auch noch ikterisch (Gelbsucht). Also hieß es gleich: zufüttern, das Kind wird nicht satt. Unwissend, dass der Milcheinschuss auch erst nach vier oder fünf Tagen kommen kann, statt nach den prognostizierten drei Tagen wurde es immer schlimmer und und innerhalb von drei Tagen hatte ich offene Brustwarzen und musste auch noch zusätzlich abpumpen, um die Milchproduktion anzuregen. Dies bedeutete noch weniger Schlaf und noch mehr Stress. Zusätzlich werkelten ständig andere Schwestern an mir rum, die mir alle innovative (aber unnütze) Tipps auf Lager hatten. Anmerkung: Bei Kind drei hatte ich das Gleiche Problem, jetzt weiß ich dass gekühlte Gelpads aus der Apotheke super helfen (muss man sich mitbringen lassen - gibts nicht in der Krankenhausapotheke!!!???)

Zusätzlich bekam ich nun Stillhütchen verpasst, weil der Kleine angeblich nicht richtig saugte, und und und. Ich sag nur: Komplette Überforderung. Damit hatte ich nicht gerechnet. Aber meine Nippel waren wieder glücklich!

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An Tag drei rief ich meine Hebamme an. Sie riet mir schnell nach Hause zu kommen und beruhigte mich mit den Worten: das kriegen wir gemeinsam schon hin, keine Sorge.

Und sie sollte Recht behalten. Kaum zuhause angekommen, schoß die Milch ein und sie zeigte sie mir die Sandwichmethode, dabei wird die Brust zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten und dem Kind in den Mund gesteckt. Fertig. Ich nenne das jetzt mal so – keine Ahnung, ob das wirklich so heißt.

Ziemlich schnell trank mein Baby ganz normal an der Brust und es wurde etwas leichter für uns beide. Aber ich hatte weiterhin Brustwarzen aus Pergamentpapier, also benutzte ich das Stillhütchen aus dem Krankenhaus, um sie zu schonen – meine Brüste dankten es mir, ich wurde entspannter und das Kind trank super an der Brust. Es gab auch nicht die von vielen prophezeite Stillverwirrung. Dazu nur ein kurzer Satz: Keines meiner drei Kinder hatte durch Schnuller oder Flasche eine Saugverwirrung. Bei Hunger oder anderen Brustbedürfnissen wurde eh nichts anderes akzeptiert als die blanke Brust und der Schnuller im hohen Bogen in meine Richtung gespuckt.

Es folgte zur Krönung ein Milchstau deluxe und eine Elefantenbrust…

Milchstau – krass! Ehrlich, das Einzige was mir geholfen hat, war das Kind kopfüber (das Kinn des Kindes zeigt in Schmerzrichtung) anzulegen und irgendwie zu entspannen. Zusätzlich die Klassiker wie Wärme vor dem Stillen und Kälte danach. Trotzdem kacke.

Ich brauchte insgesamt ganze vier Monate um in einen gewissen Stillflow zu kommen (übrigens bei JEDEM Kind) Im Bekanntenkreis hörte ich damals öfter, dass junge Mütter nach drei Monaten abstillten, da das Baby angeblich nicht satt werden würde. Auch ich hatte diese Befürchtung, da mein Sohn plötzlich stündlich gestillt werden wollte. Wie sich herausstellte, war dies nur ein Wachstumsschub, der zwar lange andauerte, aber er danach auch wieder einen „normalen“ Rhythmus entfaltete. Auch hierzu noch ein Hinweis: Empfohlen wird ja immer ein vierstündiger Stillabstand – alle drei Kinder haben von Anfang bis Abstillen zweistündlich getrunken und nach Bedarf. Ich war da immer eher der Typ schnell mal anlegen. Auch nachts, (meistens jedenfalls). Und das ist nicht unbedingt eine Ausnahme, wie ich heute weiß.

Erschwerend kam hinzu, dass mein Sohn meine linke Brust komplett verschmähte und ich irgendwann aussah wie ein Kamel mit einem eingefallenen Höcker, da links dann quasi abgestillt war, rechts aber für zwei produzierte. Grundsätzlich kein Problem – Zwillingsmütter ernähren ihre Kinder ja auch mit jeweils nur einer Brust. Jetzt ist das mit dem Körpergefühl aber nicht so schön und sieht auch echt schräg aus unterm Pulli (ich nannte „die dicke“ liebevoll Elefantenbrust), daher fasste ich nach fünf Monaten den Entschluß abzustillen.

Dies ging dank des Bärenhungers meines Kindes recht fix und er aß mit sechs Monaten bereits zwei Mahlzeiten und bekam eine Milchflasche. Allerdings sollte ich genau das in den darauffolgenden Monaten eindeutig bereuen, was mich bei Kind zwei und drei dazu veranlasste länger und konsequenter zu stillen und vor allem auch nach dem Abstillen nur noch Wasser anzubieten. Nichts ist anstrengender, als bis zu viermal in der Nacht wegen einer Nuckelflasche aufzustehen. Und eine Flasche ist noch schwieriger abzugewöhnen als eine Brust – bei uns jedenfalls so.

Kind zwei und drei habe ich jeweils 10 Monate und ein Jahr gestillt. Länger wollte ich nicht, und gefühlt war das auch für meine Kinder vollkommen ok. Woher ich das weiß? Weil das Abstillen problemlos lief.

Ich habe den Tipp einer Freundin befolgt: Drei Nächte in einem anderen Raum getrennt vom Kind schlafen…während der Vater beim Kind liegt und es bei Bedarf mit kuscheln oder Wasser beruhigt. Quasi nach dem Motto: aus den Augen aus dem Sinn – oder aus der Nase! Ich denke nämlich die kleinen Vampire riechen uns! Es beruhigt auch den mütterlichen Instinkt beim kleinsten Aufmucken die Brust zu entblößen.

Natürlich wird auch hier nicht schreien gelassen, wenn Papa nicht weiterkommt, dann ist es eben noch zu früh – man kann nichts erzwingen. Bei uns allerdings gab es maximal ein kleines meck meck in der ersten Nacht, was den Prozess massiv erleichterte.

Letztendlich ist es aber immer eine persönliche Entscheidung und niemand sollte sich von außen Druck machen lassen ob man stillt oder nicht und wie lange.

Für mich war es immer eine wunderschöne Verbindung zu meinem Kind – ich habe es geliebt, es beim Trinken zu beobachten und war irgendwann auch echt routiniert – konnte im Stehen einhändig stillen, im Tragetuch auf dem Spielplatz und nachts im Schlaf, wortwörtlich. Nicht selten bin ich im Sitzen beim Stillen eingeschlafen, hierbei hat sich das Beistellbettchen übrigens echt rentiert, da das Kind so nicht aus dem Bett rollen konnte im Ernstfall…Nach dem Abstillen ist aber auch keine echte Lücke entstanden, da wir eigentlich sowieso immer nonstop am Kuscheln alle sind…

…und letztlich geht es ja auch und vor allem um Nähe.

 

 

 

 

 

Kenn ich schon...

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Godzillamum im Rausch der Hormone

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