3c605c2332864b310c307e903fe86fda3ed2dc24f8f8955bc422cef6754ad5e3.jpg

Hallo.

Ich bin Judith und lebe mit meinen vier Männern in Berlin. Hier gehts ums Eltern werden, Eltern sein und das Abenteuer Familie.

Schni Schna Schnulli - oder wie wir von der Droge wieder loskamen

Schni Schna Schnulli - oder wie wir von der Droge wieder loskamen

Was für ein blöder Titel, denken jetzt sicher einige…keine Angst, ihr dürft bleiben. Das wird kein Hetzartikel.

Ganz im Gegenteil: Uns war der Schnuller immer ein treuer Freund und lieber Begleiter, der in den Herzen meiner Familie einen Platz gefunden hatte. Also zumindest in den Herzen meiner Kinder.

Nun gibt es Freunde, die bleiben ein Leben lang. Und es gibt Freunde, die einem gut tun und weniger gut tun. Aus zahnmedizinischer Sicht sind Schnuller keine guten Freunde. Auf Elternseite gibt es vermutlich zwei Lager. Diejenigen, die sich freuen, wenn das Kind endlich ein Ventil zum Entspannen und Regulieren findet, das nicht Nippel oder Daumen heißt. Und die andere Seite, die Angst hat, dass dieser Freund zu lange bleibt und seine anderen bösen Freunde, wie Stillverweigerung und später Zahnspange mitbringen könnte.

Darüber hinaus gibt es dann auch noch die Industrie, die uns allzu gerne alle neuen Saugschmerlen schmackhaft machen möchte. Auch die Zahnärzte haben da ihre Kooperationen mit bestimmten Herstellern, die uns zahnfreundliche Schnuller ans Herz legen möchten. Welcher Schnuller jetzt der Richtige ist, oder ob ja oder nein, überlasse ich lieber den Experten.

Als Richtlinie hab ich immer den Rat unserer Zahnärztin immer im Kopf: Alles bis drei Jahre ist völlig ok und auch wenn ganz ohne Schnuller immer noch am Besten ist, beruhigt das etwas das elterliche Gewissen.

Wir durften bei drei Kindern, die alle mit Schnuller aufgewachsen sind, nicht nur eine Menge testen, sondern auch unsere eigene Erfahrung mit der Entwöhnung machen.

Anfangs war ich noch hoch motiviert, das Kind ganz den Empfehlungen von Ratgebern ohne Schnuller großzuziehen, schließlich gibt es bei Naturvölkern sowas ja auch nicht…richtig, aber in Berlin schon, meinte dann meine Hebamme irgendwann und ich war ihr sehr dankbar für ihre pragmatische Art. Sie sagte immer, Kinder sind nun mal Säuglinge und Traglinge. Und auch mein Kinder waren eindeutig Säuglinge (surprise).

Der Osterhase und kalter Entzug

Keine fünf Minuten innerhalb der ersten Lebenswochen konnte mein erstes Kind ohne meine Brust (siehe auch mein Beitrag zum Thema Stillen). Die Abstände wurden zwar länger, aber das Kind konnte jetzt auch lauter brüllen. Die Konsequenz waren wunde Brustwarzen deluxe und eine völlig erschöpfte Mutter, die sich nach Erlösung sehnte. Das Problem war, durch dieses permanente Anlegen kam ja auch immer etwas Milch in dieses klitzekleine Bäuchlein. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang auch sehr gut an meine Aufenthalte auf der Wöchnerinnenstation. Dort hing immer ein Bild zur Veranschaulichung des Magens eines Babys, beispielhaft durch Kugeln in verschiedenen Größen für die unterschiedlichen Wachstumsstadien dargestellt. Und jedesmal dachte ich mir: Wie bitte sollen diese Mengen an Milch in diese Murmel passen. Genau. Gar nicht. Die Konsequenz waren statt Drei-Monatskoliken saftige Fünf-Monatskoliken.

Nach ca 2 Wochen fragte mich meine Hebamme, ob ich denn auch einen Schnuller da hätte. Das Kind hatte offensichtlich Blähungen und entsprechend Bauchweh vom vielen Anlegen. Ich hatte vorsorglich im Nestbauwahn schon einen schönen Schnuller von Phillips Avent besorgt. Kurz flackerten Gedanken über Stillverwirrung und Bilder aus meiner Kindheit in mir hoch, wie ich mit in alle Himmelsrichtungen zeigenden Frontzähnen den Kieferorthopäden angrinse. Doch ein stechender Schmerz unter meinem Pullover zerstreute alle meine Sorgen sofort. Sie hatte auch gleich den ultimativen Tipp, wie man dem Kind den Schnuller schmackhaft machen konnte. Also haben wir das Mäuschen gepuckt, den Schnuller etwas angefeuchtet und angeboten. Es dauerte keine zwei Sekunden und er saugte fröhlich wie Maggie Simpson, bis er kurz darauf einschlief…für knapp vier Stunden am Stück! #Muttiimglück

33E84ACE-85B6-428C-914C-743750818DDE.jpeg

Tatsächlich verringerten sich die Stillabstände ab da auf immerhin zwei Stunden, darüber hinaus aber nicht. Hatte das Kind Hunger, flog das Ding im hohen Bogen aus dem Bett…wie er das gemacht hat, ist mir bis heute ein Rätsel. Die Koliken wurden auch etwas besser, aber hier half uns letztendlich nur eine Zugabe von Darmbakterien. Offensichtlich gab es da auch ein generelles Problem mit dem Reifeprozess.

Mit zweieinhalb Jahren Glück am Stück kam das schlechte Gewissen zurück und die ambitionierte Mutter von mittlerweile zwei Kindern mit Schnullern, dachte an die Spätfolgen und wie schwierig es wohl sein könnte, diesen abzugewöhnen. Nun, was soll ich sagen…mein Sohn war ein Junkie. 24hours “Böller”, wie er mittlerweile liebevoll tituliert wurde.

Wie werde ich das Teil jetzt wieder los?

Wir haben Bücher gelesen von Jakob, Connis Bruder, der den Schnuller mit zwei Jahren einfach abends in den Schrank legt und gute Nacht sagt, pahahahaha. Ernsthaft, wer schreibt solche Geschichten?

Dann hatten wir die Idee, den Schnuller dem kleinen Bruder zu schenken. Den Tipp hatten wir vom Opa. Hat wohl bei seinen Jungs geklappt damals. Hier nicht.

Wir haben dann gemeinsam überlegt alle Schnuller für den Osterhasen im Garten der Oma zu verstecken, in der Hoffnung, dass an deren Stelle tolle Überraschungen liegen. Quasi Schnullerfee Advanced. Diese Idee war super, hatte nur zur Folge, dass mich eines Tages die Erzieherin in der Kita ansprach, dass mein Sohn bei den Ostervorbereitungen neuerdings weint und sagt er hätte Angst vorm Osterhasen. Wie das denn sein kann? Ähem…hüstel, keine Ahnung.

IMG_1355.jpeg

Durchziehen wollte er es dann aber trotzdem, als Ostern endlich näher rückte. Die Überraschungen waren einfach zu verlockend. Allerdings haben wir uns nach der Eiersuche abends zum Einschlafen doch noch einen Schnuller vom kleinen Bruder ausgeborgt - Für länger. Mein Plan ist total super aufgegangen.

Ein, zwei Monate darauf sind wir zu einer vierwöchigen Elternzeit in Dänemark aufgebrochen und haben gemeinsam beschlossen, den Schnuller in Berlin zu lassen und nicht in den Urlaub mitzunehmen. Großartige Idee, wenn man sechs Stunden Auto fährt…nicht. Irgendwie haben wir diese Autofahrt aber überlebt und fühlten uns dem schnullerfreien Himmel so nah…und abgemacht ist abgemacht. Auf in den kalten Entzug. Und tatsächlich waren die ersten zwei Nächte zwar durchaus nicht einfach, aber auch nicht ganz so schlimm wie erwartet. Und mit viel kuscheln konnte das vermisste Saugvergnügen durchaus kompensiert werden. Danach kamen nur noch dann und wann ein paar Fragen und das Thema war durch.

D3D49644-2629-43A5-B451-9F77AE4AB59C.jpeg

Aus den Augen, aus dem Sinn

Kind Nr. 2 hatte eine ähnliche Startgeschichte und daher auch gleich zu Beginn einen Stöpsel. Im Gegensatz zu seinem großen Bruder war seine Einstellung zum Schnuller später aber weitaus toleranter.

Er wusste schon immer was er will und was er nicht will. Dieser Junge suchte sich schon ziemlich früh als Einziger selbst die Anziehsachen aus, welches Glas er benutzen möchte und welchen Löffel. Er hat auch selbst entschieden, wann er keine Windeln mehr tragen wollte. Ich durfte da kaum reinreden. Das klingt jetzt vielleicht nach Minidiktator…ja und nein. Er ist einfach wahnsinnig willensstark. Und das finde ich großartig. Ich will ihn auch gar nicht bestimmen, eher lenken. Aber selbst das braucht er manchmal gar nicht.

Und genauso war es mit dem Schnuller: Er allein hat entschieden, wann es Zeit war und so gab er diesen tatsächlich auf meine simple Frage:”Wollen wir den Schnuller deinem kleinen Bruder schenken?” mit ebenfalls zweieinhalb Jahren kommentarlos an selbigen weiter. Kein Witz. Was beim Großen noch total utopisch klang, war hier plötzlich zum Greifen nah.

Er schlief auch tatsächlich zu meinem großen Erstaunen bereits am ersten Abend ohne irgendwelche Entzugserscheinungen selig ein. Später habe ich in der Kita erfahren, dass er dort auch schon öfter ohne Schnuller Mittagsschlaf gemacht hat.

Nur, dass ich seitdem sein Schnullerersatz war…bis heute. Konnte er bis zum zweiten Lebensjahr noch problemlos einschlafen, so brauchte er mich nun doch jeden Abend und zunehmend auch nachts…aber das gefällt mir sehr viel besser, als eine teure Zahnarztrechnung. Und Kuscheleinheiten bekomme ich dabei auch noch gratis.

fullsizeoutput_5388.jpeg

NEEEEEIN!

Kind Nr.3 hat uns alle am meisten überrascht. Nicht nur, daß er ziemlich früh gelernt hat, sich gegenüber den zwei großen Brüdern zu behaupten. Er konnte auch relativ früh sagen, was er will und was er nicht will. Lieblingswörter: “Nein”, “Super” und “Cool”

Anfangs wollte er gar keinen Schnuller haben - ich dachte noch, wie praktisch! Oder? Da erfahrungsgemäß alle meine Kinder aber gut damit gefahren sind, habe ich auf Rat einer befreundeten Mutter zu einem anderen Modell gegriffen. Einen Bio-Schnuller von Mollis, mit Kautschuk Sauger, da er unsere bewährte Avent Marke verschmähte. Diesen nahm er auch sofort an und irgendwann später stieg er wieder um auf das Silikonmodell von Mollis.

Dabei fällt mir ein Hinweis vom Zahnarzt ein, den ich hier gerne teilen möchte: Man sollte bei Schnullern immer die kleinste Größe verwenden und vor allem auch dabei bleiben! Was ja auch logisch erscheint, da dadurch der Abstand zwischen Ober- und Kiefer am geringsten ist.

2E9497D3-7D50-45D3-AFF3-2641C167031B.jpeg

Ziemlich schnell wurde der Schnuller auch hier einer der wichtigsten Begleiter. Wir lebten also mehr oder weniger glücklich und zufrieden…bis vor fünf Tagen. Jeder kennt das ständige Suchen, auch nachts mit der Taschenlampe, in und unter Betten, unter Sofas, in Schubladen, weil mal wieder keiner auffindbar war und das Kind fürchterlich weinte. Wir besitzen nicht soo viele Exemplare, fanden sie aber in der Regel immer wieder. Bis auf dieses Mal.

Es war Samstag Nacht vor genau einer Woche und der einzige, der jetzt noch auffindbar war, war einer mit Kautschuksauger. Mit vehementem NEEEEEEEIN! wurde uns der Schnuller mehrfach um die Ohren geschmissen. All unsere Bemühungen, ihn zu beruhigen schlugen fehl, so daß er irgendwann auf meinem Schoß einschlief. Ich fühlte mich furchtbar, konnte aber nichts an der Situation ändern, ebensowenig am Folgetag (es war Sonntag und besagter bevorzugter Schnuller war nur in einem Geschäft zu erhalten, das selbstverständlich geschlossen war). Nun waren mittlerweile schon 24h vergangen und das Kind rief weiterhin NEEEEEIN!

Doch mittlerweile war er an diesen Zustand irgendwie adaptiert und weder der Mittagsschlaf, noch der Abendschlaf stellten ein großes Problem dar, dass sich nicht auch mit etwas Kuscheln beseitigen ließ. Auch am folgenden Montag gab es in der Kita keine Probleme und somit waren ab diesem Zeitpunkt alle drei Kinder schnullerfrei und das (mehr oder weniger) ohne großes Gewese.

Übrigens hatten/haben alle drei eine Zahnfehlstellung durch den Schnuller bekommen. Bei zwei Kindern ist diese bereits komplett zurückgegangen und ich habe große Hoffnung, dass dieses auch beim Kleinsten passiert. Obwohl so ein schiefes Grinsen ja auch durchaus charmant sein kann 😁

Lasst euch nicht verunsichern und hört auf eure Kinder und euer Bauchgefühl - manche Kinder brauchen keinen Schnuller und können sich hervorragend selbst regulieren, manche, wie in unserem Fall brauchen das Saugen sehr wohl. Letztlich ist es wie mit vielen Dingen…die Dosis macht das Gift. Sprich, die Dauer, Häufigkeit und Länge ist hier entscheidend über Spätfolgen. Ich bin der Meinung, wenn man seine Kinder liebevoll unterstützt bei der Entwöhnung, dann kann man sicher gemeinsam einen Ersatz finden. Bei uns ist es eindeutig viel und ganz lange schmusen…

Artikel enthält eventuell unbezahlte Werbung

Kenn ich schon...

Kenn ich schon...