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Hallo.

Ich bin Judith und lebe mit meinen vier Männern in Berlin. Hier gehts ums Eltern werden, Eltern sein und das Abenteuer Familie.

Godzillamum im Rausch der Hormone

Godzillamum im Rausch der Hormone

Die Wahrheit ist, ich wollte schon immer ‘n Stall voll Kinder! Aber jetzt mal ehrlich…das erste Kind ändert einfach alles!

Kinderkriegen ist doch das Einfachste auf der ganzen Welt! Das erste Jahr mit Baby sitzen wir doch auf einer Arschbacke ab! Das Wochenbett ist mega - täglich Blumen und Massagen vom Partner! Stillen ist easy peasy und Du siehst eine Woche nach der Geburt auch wieder aus wie vorher!

Genau so und nicht anders wird es doch in einigen Ratgebern, Magazinen oder Social Media Kanälen verbreitet. Und so hab ich es beim ersten (und teilweise auch beim zweiten) Kind damals wahrgenommen. Denn wenn wir ehrlich sind, hat uns doch niemand auf das was da tatsächlich auf uns zukommt, vorbereitet. Also so richtig!

Nicht, dass ich damals Horrorfilme über Geburten auf Youtube brauchte oder waskannallespassieren Szenarien hätte beschrieben haben wollen. Nein, einfach nur handfeste Ratschläge, die mir Optionen aufzeigen, mich auf bestimmte Dinge, die erfahrungsgemäß viele Mütter betreffen, vorbereiten zu können.

Thema Geburt und Nachsorge. Niemand hat gesagt, dass Nachwehen sich anfühlen, als käme gleich noch ein Kind hinterher. Und dass man ständig Angst hat, die kleinen Würmchen zu zerdrücken oder zu zerbrechen. Oder dass man alle paar Minuten nachsieht, ob sie noch atmen…Stress pur!

Ebenso das mit dem Stillen. Das kann echt fies wehtun anfangs! Bei mir sogar vier Monate lang und das ganze drei Mal! Und wieso behaupten alle Stillen mache schlank? Das kann ich definitiv nicht unterschreiben. Mein Körper hat förmlich nach Kohlenhydraten gelechzt – und er hat sie auch bekommen! Schwabbelfeeling, Haarausfall und das kannte ich von früher gar nicht.

Ich wusste auch nicht, dass Schlafmangel soooo aggressiv machen kann. Ernsthaft, ich hätte nicht mit mir zusammenwohnen wollen. Stichwort: Godzillamum im Rausch der Hormone. Ich meine ich streite schon immer gerne italienisch, aber in Schwangerschaft und Stillzeit war Türen knallen noch das harmloseste. Mich wundert es mittlerweile nicht mehr, dass das erste Jahr mit Kind für einige Paare eine echte Zerreißprobe ist. Auch ich kenne leider Paare, die es nicht geschafft haben im ersten Jahr. Kein Wunder, man bekommt plötzlich zwei neue Rollen auferlegt - als Mama und Papa und schlägt sich mit einem kleinen Minidiktator herum, der das alte Leben komplett umkrempelt. Dank Stilldemenz fühlst du dich dazu noch nonstop geblitzdingst, a la Men in Black. Das alles war mir nicht bewusst vorher, trotzdem ich Krankenschwester bin, im Geburtsvorbereitungskurs war, mein Mann schon ein Kind hatte und ich eine super Hebamme hatte.

Das heißt nicht, dass ich blauäugig an die Sache herangegangen wäre, ich würde sogar behaupten ich habe sowas wie Resilienz. Bin also sehr robust und ein Stehaufmännchen - und dennoch wurde ich vom Kinderkriegen komplett überrumpelt, mit sowas rechnet doch wirklich keiner!

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Dann ist da natürlich auch die andere Seite der Medaille:

Plötzlich Familie, alle zusammen. Man liebt den Partner plötzlich noch viel mehr, falls das geht. Die Tatsache, dass man von der ersten Sekunde an für dieses kleine Wesen töten würde, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.. Oder dass man sich wie ein Honigkuchenpferd freut, wenn die Windel mal wieder richtig voll ist, weil schon 14 Tage Ebbe herrschte. Und dass man beim Stillen die Welt um sich herum komplett vergisst und dieser kleinen Saugschmerle einfach nur stundenlang zuschauen möchte. Und das erste kleine Lächeln, das alle Sorgen sowieso sofort in Luft auflöst. Das erste Drehen, Krabbeln, die ersten Schritte. Und dieser Duft, dieser Duft.

Hier könnte ich natürlich unendlich weitermachen.

Nichtsdestotrotz habe ich mich auf jede meiner Geburten gefreut, hatte aber gleichzeitig auch großen Respekt. Und obwohl es für mich jedesmal sehr heftig war, wollte ich trotzdem immer wieder Kinder bekommen. Denn dieses kleine Etwas, dass da am Ende rauskommt, ist tatsächlich das Schönste was einem im Leben passiert…jedes Mal aufs Neue.

Können wir alle mehr oder weniger unterschreiben, oder? Und richtig vorbereiten kann man sich vielleicht auch nicht, da jeder Mensch nun mal anders auf eine solche Situation reagiert.

Nicht, dass es nicht so wäre wie oben beschrieben, natürlich ist es das und manchmal noch viel mehr! Aber es ist eben auch manchmal ganz anders! Und auch das muss gesagt werden dürfen! Denn, wenn ich mit Freunden spreche, die gerade Kinder bekommen haben, dann fällt immer wieder auf, dass gerade die Geburt, das Wochenbett und die erste Zeit mit Kind zeitweise stark romantisiert werden. Vielleicht etwas zuviel. Und die sind übrigens nicht auf Instagram.

Vermutlich ist das aber auch gut so - und wer weiß, ob man sich auf das Abenteuer Kind überhaupt erst einlassen würde? Der Gedanke kam mir allerdings nie, da wir auch lange gebraucht haben, um Kinder zu bekommen - aber das ist ein anderes Thema.

Für mich war übrigens die Umstellung auf das zweite Kind nochmal eine weitere große Herausforderung – die Angst, die Liebe nicht teilen zu können (was natürlich nicht stimmt. Sie verdoppelt sich einfach) und die Angst, dass der Kleine ernsthaften körperlichen Schaden erleidet durch das heimliche „piesaken“ des großen Bruders, wenn ich mal für eine Sekunde den Raum verließ.

Das Baby an sich war tiefenentspannt, aber der Stresslevel war so hoch, dass ich quasi ständig unter Strom stand.

Ich wünschte, ich hätte die Gelassenheit vom dritten Kind schon damals gehabt. Oder das Wissen, dass wir als Frau einfach wirklich die geborenen Mütter sind. Wir können also ruhig mal auf die eigene Intuition hören und uns etwas mehr vertrauen. Word.

Es ist wie beim Autofahren sag ich immer: vorausschauendes Fahren erlernt man auch nur schrittweise.

In diesem Sinne „Gute Fahrt“ ! (omg - das mit den Ratschlägen sollte ich wirklich sein lassen)

Apropos Stillen...

Apropos Stillen...